Zwei Tage, 350 Speaker und ein roter Faden: vom Experiment zur produktiven KI

Am 16. und 17. September fand in der STATION Berlin das BIG BANG KI FESTIVAL 2026 statt, Europas größtes KI-Business-Festival. Unser Kollege Daniel Dietz war für uns vor Ort und hat zwei Tage lang Vorträge, Diskussionen und Gespräche an den Ständen mitgenommen. Ein Rückblick auf das, was ihm am meisten im Kopf geblieben ist.

Ein Festival in Superlativen

Über 11.000 Gäste, mehr als 350 hochkarätige Speaker, fünf  Stages, zahlreiche Workshops und Netzwerkmöglichkeiten: Das BIG BANG KI FESTIVAL hat in seiner Dimension wenig mit einer klassischen Fachkonferenz zu tun. Auf der Bühne standen zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Politik und der Tech-Industrie, die Ihre Erfahrungen zum Einsatz von künstlicher Intelligenz teilten. Unter anderem Tech-Investor Frank Thelen, Tim Höttges von der Telekom, Richard David Precht, Bundespräsident a. D. Christian Wulff, sowie Vertreter von Anthropic, OpenAI, SAP, Microsoft Deutschland und viele weitere.

Besonders für uns relevant: Mit der HanseMerkur Stage gab es eine eigene Bühne für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen. Thematisiert wurde beispielsweise der aktuelle Stand der elektronischen Patientenakte sowie Best Practices KI-gestützter Prozesse aus Sicht von Arztpraxen, Kliniken, Krankenkassen und des Patienten. Dabei wurde aus unterschiedlichen Perspektiven über die Chancen und Risiken der KI-Unterstützung diskutiert.  Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der Mensch muss am Ende gemäß dem viel zitierten Prinzip “Human-in-the Loop” die finale Entscheidung im medizinischen Kontext treffen.

Vom Experiment zur Skalierung

Über beide Tage hinweg zog sich ein roter Faden durch die Vorträge: Der reine Experimentier-Modus der letzten Jahre gilt bei vielen Speakern als beendet. Im Mittelpunkt stand stattdessen die Frage, wie sich KI produktiv und wirtschaftlich tragfähig skalieren lässt.

Auf der Geschäftsmodell-Seite sahen mehrere Speaker ein Ende der klassischen Abrechnung nach Personentagen (Time & Material). Ihre These: KI reduziert den Aufwand in vielen Projektphasen spürbar, wodurch sich der Fokus von reiner Stundenabrechnung hin zu ergebnisbasierter Vergütung verschiebt, inklusive neuer Fragen zu Risikoteilung und Haftung. Das betrifft ebenso die technische Seite. Dort ging es viel um Architektur, KI-gestützte Softwareentwicklung, Nutzung von Daten und den Übergang von einzelnen Chat-Anwendungen zu Workflows und eigenständig handelnden Agenten. 

ePA reloaded: Gesundheitswesen im Fokus

Für uns besonders spannend war die Diskussion „ePA reloaded“ auf der HanseMerkur Stage, mit gematik-Geschäftsführerin Brenya Adjei, Sandra Hoyer von der Techniker Krankenkasse und einem praktizierenden Hausarzt. Die Kernaussage deckt sich mit einer Erfahrung, die wir aus eigenen Projekten kennen:

Der Grundstein für den Einsatz von KI in der elektronischen Patientenakte ist gelegt. Funktional wird sich die ePA von einer elektronischen zu einer intelligenten Patientenakte entwickeln, welche die Dokumente strukturiert ablegt und in den Kontext zu vorhandenen Dokumenten setzt. Gleichzeitig sollen Dokumente nach dem Ansatz der medizinischen Informationsobjekte strukturiert befüllt und ausgewertet werden können. Erst auf dieser Grundlage werden Anwendungen wie beispielsweise ein automatischer Wechselwirkungs-Check von Medikamenten bei der Verordnung überhaupt möglich. Außerdem sollen Push-Notifications den Patienten über anstehende Impfungen oder neu eingestellte Dokumente informieren.

Was uns sonst noch im Kopf geblieben ist

Anthropic und Open AI zeigten in Ihren Vorträgen die rasante Entwicklung von reinem Prompt Engineering über RAG-Systeme und Agenten bis zu dem, was 2026 als „Harness Engineering“ bezeichnet wird, bei dem Systeme selbst den Lösungsweg finden. Als Ausblick für 2027 wurde aufgezeigt, dass sich die Modelle zukünftig ihr eigenes Gerüst bauen und sich selbst entwickeln. Mehrfach wurde zudem betont, dass nicht immer das größte verfügbare Modell nötig ist. Für viele Aufgaben reichen kleinere, günstigere Modelle völlig aus, wenn die Wahl sich am konkreten Anwendungsfall orientiert statt am reinen Prestige.

Auf politischer Ebene war die Sorge um digitale Souveränität ein wiederkehrendes Thema: mangelnde europäische Unabhängigkeit bei Modellen, Chips und Energie im Vergleich zu den USA und China. Dazu wurde vom KI-Bundesverband das Soofi Projekt vorgestellt, welches den Aufbau von technologischer Kompetenz, Knowhow, Trainingsverfahren, Datenkompetenz und eigene souveräne Open source foundation Models in Deutschland und Europa zum Zielbild hat.

Unser Fazit

Das BIG BANG KI FESTIVAL 2026 bot ein dichtes, lohnendes Programm mit Impulsen, die weit über reine Technikfragen hinausgehen. Für uns besonders wertvoll war die Bestätigung von mehreren Beobachtungen, die wir aus unserer eigenen Arbeit kennen:

  • Jede Arbeit hinterlässt ein Artefakt!
  • Human-in-the Loop: Jedes Artefakt muss von uns als Berater gereviewed und freigegeben werden!
  • Standardprompts mit Rollendefinition, Rahmenbedingungen und Projektkontext zu Beginn sind nicht mehr so entscheidend für einen guten Output, sondern die fortlaufende und iterative Interaktion mit dem KI-System!
  • Für mehr Effizienz: die Nutzung von Voice-Prompting vor textuellem Prompting!

Für den Besuch ausgewählter Vorträge gab es als Erinnerungsstück das KI Zertifikat „Fit for KI“ durch das deutsche Innovationsinstitut diind. Mindestens genauso wertvoll wie die Vorträge war jedoch der direkte Austausch abseits der Bühnen. An den Ständen ergaben sich interessante Gespräche mit Kunden und Kollegen, aber auch mit Entscheidern der großen KI-Unternehmen, oft informeller und konkreter als in den offiziellen Sessions. Solche Begegnungen lassen sich in keinem Programmheft planen und bleiben genau deshalb am längsten im Gedächtnis.